Schafzuchtverband St. Gallen

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Alpwanderung des St. Gallischen Schafzuchtverbandes auf die Schafalp Ramuz


Am 10. August 2014 lud der St. Gallische Schafzuchtverband zusammen mit der Zürcher Kantonalen Schafzuchtgenossenschaft des Braunköpfigen Fleischschafes (BFS) zur öffentlichen Alpwanderung auf die Alp Ramuz im Taminatal ein.

Am frühen Sonntagmorgen nahm eine muntere Schar Alpwanderer die steilen Haarnadelkurven hinter dem Dorf Vättis unter die Füsse um auf die Schafalp im Grenzgebiet der Kantone St. Gallen und Graubünden zu gelangen. Hoch über dem Talboden verbringen rund 400 Schafe den Alpsommer, vorwiegend sind es Tiere der BFS Rasse. Bei einem ersten Marschhalt bei Dritt Hütte wo das Hüttchen als unterste Schäferhütte fungiert, gab der Vizepräsident der organisierenden Schafzuchtgenossenschaft, Andreas Binder aus Maschwanden, erste Eindrücke ins Alpleben auf Ramuz. Wurden die Schafe früher im System der Standweide gesömmert, so hat nun mittlerweile die ständige Behirtung Einzug gehalten. Andreas Binder machte deutlich, mit welchem ungeheuren persönlichen Einsatz der einzelnen Mitglieder seiner Schafzuchtgenossenschaft die Alp Ramuz heute bewirtschaften. Unzählige Stunden Fronarbeit und grosse körperliche Anstrengungen in einem Gebiet welches nur auf einem schmalen Fussweg erreichbar ist, wurden in den letzten Jahren von den Zürcher Schäflern geleistet, um die Infrastruktur soweit auf Vordermann zu bringen, dass ein Hirte mit minimalen Komfort den Alpsommer im Hochgebirge verbringen kann.

All diese Anpassungen, welche selbstredend auch mit einem grossen finanziellen Aufwand verbunden sind, wurden nötig weil sich das Calanda-Wolfsrudel in unmittelbarer Nähe der Schafalp ansiedelte und in der ersten Zeit auch für erhebliche Tierverluste sorgte. Innert kürzester Zeit mussten sich die Schäfer auf Ramuz mit dieser Situation auseinandersetzen und gerade im Bereich Herdenschutz geeignete Massnahmen implementieren. Dass dabei in der Schweiz noch keine Erfahrungswerte im Umgang mit Wolfsrudeln vorlagen, machte die Aufgabe im Spannungsfeld der einzelnen Anspruchsgruppen nicht gerade einfach. Dieses Thema wurde dann auch nach einem weiteren Fussmarsch bis hin zur Schafherde welche unterhalb des Simel und der Orglen weidete, diskutiert. Peter Lüthi, der diesjährige Schafhirte welcher die Herde mit zwei Hütehunden und vier Herdenschutzhunden betreut, berichtete von seinen Erfahrungen als Schafhirte, ebenso die letztjährige Hirtin welche es sich nicht nehmen liess die Alpwanderung mit zu machen.

Während sich die Schafherde langsam von der Morgenweide Richtung Hütte und damit hin zu den Alpwanderern und dem Ruheplatz bewegte, nahm eine intensive Diskussion ihren Lauf bei welcher die momentanen Problemfelder der Schafsömmerung zur Sprache kamen. Es zeigte sich, dass in den verschiedenen Ostschweizer Kantonen ähnliche Erfahrungen gemacht wurden und dass es für die Schäfeler nach wie vor schwierig ist in diesem Umfeld zu bestehen und auf einer sachlichen Ebene Lösungen zu finden die auch den wirtschaftlichen Aspekt dieses Landwirtschaftszweiges berücksichtigen.

Neben der Diskussion rund ums Grossraubwild konnte Martin Keller, der Präsident des St. Gallischen Schafzuchtverbandes aber auch noch von der erfreulichen Marktsituation auf dem Schlachtschafmarkt berichten, wo sich die Preise für Schlachtlämmer den ganzen Sommer über auf einem stabilen, befriedigenden Niveau bewegten. Für den Herbst ist saisongemäss mit einem Preisrückgang zu rechnen, dann wenn die Alpentladungen anstehen. Mit diesen Alpentladungen kehren dann auch die Schlachtlämmer aus den Bergen zurück, welche unter dem Label Alplamm vermarktet werden. Auch auf der gutgräsigen Alp Ramuz weiden zahlreiche Lämmer mit der charakteristischen weissen Ohrmarke im Ohr, welche sie als Alplämmer kennzeichnen und die Rückverfolgbarkeit garantieren. Auf Alpen wie Ramuz hat dieses wegweisende Projekt der Vermarktung dieses naturnahen Produktes „Alplamm“ seinen Ursprung, nämlich auf den Bündner und den St. Galler Alpen. Noch heute sind die Ostschweizer Lammproduzenten stolz darauf, dass es ihnen gelungen ist, gemeinsam mit einem namhaften Grossverteiler ihren Lämmern die Anerkennung zukommen zu lassen, welche sie auch verdienen.

Die Alpwanderung auf die Alp Ramuz bot alle Facetten der Schafalpung, vermag doch die Alp mit ihrer speziellen Geschichte und ihrer exponierten Lage für unheimlich viel Gesprächsstoff zu sorgen. Grösste Anerkennung gilt den Zürcher Schäfern welche mit ungeheurem Engagement, einer riesigen Portio Enthusiasmus und allergrösstem Idealismus dafür sorgen, dass auch jetzt und in Zukunft noch Schafe auf dieser Alp den Sommer verbringen und somit ein wunderschönes Stück Natur erhalten bleibt, so wie es schon seit Jahrzehnten gepflegt wird in der rauhen Bergwelt des Taminatals.