Schafzuchtverband St. Gallen

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Delegiertenversammlung des St. Gallischen Schafzuchtverbandes vom 03. Februar 2019 in Wildhaus SG


Bei garstigem Winterwetter und prekären Strassenverhältnissen trafen sich knapp 80 Delegierte des St. Gallischen Schafzuchtverbandes im Mehrzweckgebäude Chuchitobel in Wildhaus um sich über aktuelle Themen rund ums Schaf und die Schafzucht zu informieren. Speziell interessierte das Referat von Kantonstierarzt Dr. Albert Fritsche zur bevorstehenden Einzeltierregistrierung der Kleinwiederkäuer in der nationalen Tierverkehrsdatenbank.

Präsident Martin Keller und Geschäftsführer Mathias Rüesch führten gewandt durch die statuarischen Geschäfte der Delegiertenversammlung. Die Jahresrechnung des Verbandes und auch das finanzielle Ergebnis des Ostschweizerischen Widder- und Zuchtschafmarktes gaben zu keinen Diskussionen Anlass.

In seinem Jahresrückblick strich Martin Keller die markanten Meilensteine aus dem vergangenen Verbandsjahr hervor. Erfolgreiche Projekte wie das "Alpsteinlamm", ein Label bei welchem zusammen mit dem Schlachthof in Hinwil Lämmer aus dem Verbandsgebiet vermarktet werden, sind ein Grund zur Freude. Den Konsumenten wird ein regionales Produkt angeboten, die Produzenten werden mit einem Mehrpreis für den Zusatzaufwand entschädigt, den sie betreiben. Ähnlich positiv blickte der Marktverantwortliche Bernhard Hardegger auf die öffentlichen Schlachtschafmärkte in Montlingen, Sargans, Flums und Wattwil zurück. Es wurden deutlich mehr Lämmer über diesen Kanal vermarktet als noch im Vorjahr. Einzig die Preisentwicklung sorgte allenthalben für Stirnrunzeln; der stagnierende Preis macht den Züchtern zu schaffen. Ursache dafür dürfte die fehlende Branchenvertretung im Verwaltungsrat der Proviande, der Organisation der Schweizer Fleischwirtschaft, sein. Dem Schweizerischen Schafzuchtverband ist es im vergangenen Jahr nicht gelungen einen valablen Kandidaten zu portieren, seither ist dieser Sitz vakant.

Auf die erfolgreiche Schausaison von welcher Schauobmann Hans Pernet berichtete, dürfen die Züchter aus dem Verbandsgebiet stolz sein. Entgegen dem schweizweiten Trend haben die St.Galler Schäfler zugelegt und deutlich mehr Tiere auf den Schauplätzen präsentiert. Insgesamt wurden fast 3'000 Rassenschafe den Experten zur Beurteilung vorgeführt. Eine breit abgestützte Zuchtbasis ist der Grundstein zum Erhalt der Rassenvielfalt und von ausgezeichneter Genetik wie sie im Kanton St. Gallen und im Fürstentum Liechtenstein zu finden ist.

Bernardo Brunold, der interimistische Vizepräsident des Schweizerischen Schafzuchtverbandes und damit der höchste Vertreter der grössten Zuchtorganisation im Land, sorgte mit seinen Ausführungen für ungläubiges Staunen. Selbstkritisch und schonungslos offen berichtete er von den Querelen innerhalb seines Verbandes ohne ein Blatt vor den Mund nehmen. Die vielen negativen Schlagzeilen welche der Schweizerischen Schafzuchtverband im letzten Jahr generierte, die Führungskrise und die desolate Situation seiner Organisation; Bernardo Brunold klärte die Delegierten in Wildhaus kompromisslos auf. Er berichtete von unverhältnismässig hohen Bezügen des Vorstandes und von Leistungen die zwar grosszügig entschädigt wurden, die aber für ihn nicht greifbar sind. Er entschuldigte sich gar bei der Verbandsspitze des St. Gallischen Schafzuchtverbandes für Unwahrheiten die in der Vergangenheit verbreitet wurden durch Personen aus dem Vorstand des Schweizerischen Schafzuchtverbandes, mit dem Ziel, die kantonale Organisation bei Bundesbehörden und in Schafzuchtkreisen in Misskredit zu bringen. Für seine selbstkritischen Äusserungen erntete Bernardo Brunold zum Schluss seiner Rede anerkennenden Applaus.

Der positive Höhepunkt der diesjährigen Delegiertenversammlungen bildete die Ehrung von langjährigen Zuchtbuchführern welche für ihr grosses Engagement im Namen der Schafzucht die wohlverdiente Würdigung erhielten. Meist sind sie die Seele des örtlichen Schafzuchtvereines und sorgen mit ihrem Einsatz für dessen Wohlergehen und den züchterischen Fortschritt. Seit 20 Jahren ist Maria Senn aus Oberriet in dieser Funktion beim Schafzuchtverein Sennwald im Einsatz. Pius Kuster aus Eschenbach amtet seit stolzen 25 Jahren als Zuchtbuchführer beim Schafzuchtverein Ermenswil EW.

Präsident Martin Keller durfte auch einen langjährigen, äusserst versierten und bekannten Schafschauexperten verabschieden und ehren, welcher sich aufgrund der Altersbestimmungen des Schweizerischen Schafzuchtverbandes von seiner Expertentätigkeit zurückziehen muss. Es ist dies Konrad Zellweger aus Diepoldsau. Er wurde mit einem kräftigen Applaus, einem kulinarischen Geschenk und einer Urkunde geehrt und in den Expertenruhestand verabschiedet.

Kantonstierarzt Dr. Albert Fritsche informierte die Schafzüchterinnen und Schafzüchter über die bevorstehende Umsetzung der Einzeltierregistrierung ihrer Tiere. Zum jetzigen Zeitpunkt sind noch viele Fragen offen, weder Ohrmarken noch Datenbank sind einsatzbereit. Auch diverse praktische Detailfragen zum Meldewesen müssen noch geklärt werden. Gleichzeitig durfte er mit Wohlwollen zur Kenntnis nehmen, dass sich die Züchter bereits intensiv mit der Umsetzung befassen und durchaus bestrebt sind, Lösungsvorschläge in den entsprechenden Gremien einzubringen.

Das stimmige Ambiente am Tagungsort und die rührige Gastfreundschaft der Schäfler vom Schäflerverein Wildhaus WH animierte die anwesenden Delegierten und Gäste auch noch lange nach Versammlungsschluss zu angeregten Diskussionen und lassen darauf hoffen, dass die St. Galler Schafzüchter und ihre Liechtensteiner Kollegen weiterhin mit zukunftsweisenden Ideen ihren Erfolg selber in die Hand nehmen.